„Liebe, Tod und Zoigl.“

Für Gerti Zimmermann, die junge Polizeireporterin aus Neustadt an der Waldnaab kommt es knüppeldick. Nicht nur, dass sie sich mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung herumschlagen muss, nein, unversehens findet sie sich in eine Mordserie verstrickt, die das beschauliche Falkenberg im Oberpfälzer Waldnaabtal in helle Aufregung versetzt und ihren Ausgangspunkt in der Nordoberpfälzer Zoiglszene zu haben scheint. Nur gut, dass sie sich auf ihren kriminalistischen Instinkt verlassen und dem ermittelnden Hauptkommissar Lederer aus einer Zwickmühle helfen kann, in die ihn unter anderem auch die Einmischung der Politik in Gestalt des Heimatministers gebracht hat. Ein Krimi nicht nur für Zoiglliebhaber und solche, die es werden wollen.

Nach „PRIESTER NEFFE TOD“ und „FRAUENGRUND“ der dritte Gerti-Zimmermann-Roman des Oberpfälzer Autors Thomas Bäumler.

„Liebe, Tod und Zoigl“, ca. 200 Seiten, 11,90 €

Erscheinung: September 2017

ISBN 978-3-98187-250-7


Leseprobe:

DIE BEERDIGUNG

Am Freitag fand sich Hauptkommissar Lederer gegen 19 Uhr in Neuhaus am Schafferhof ein. Schon von weitem hörte er reichlich schräge Blasmusik, dazwischen die schneidige Stimme eines Mannes, der Verse vortrug. Als er auf der schmalen Straße, die zu dem Anwesen leitete, von dem her die Töne kamen, um die Ecke bog, sah er von der kleinen Anhöhe oberhalb der Treppen, die zum Schafferhof führten, hinunter auf eine Truppe von neun Musikanten in altmodischen Feuerwehruniformen, deren Gesichter geschwärzt waren und auf deren Köpfen verbeulte Helme thronten. Ihr hagerer Kommandant, der nur einen Zahn im Mund hatte, trug gerade launige Reime vor, die ganz offensichtlich einem Mann gewidmet waren, der inmitten einer ganzen Gruppe von Leuten stand, die sich vor der merkwürdigen Formation versammelt hatte. Das also war, wie er einer Aufschrift auf einer Trommel, die einer der Musikanten mit sich führte, entnehmen konnte, die weithin bekannte und ob ihres beißenden Humors berühmte und seit ihren Auftritten beim fränkischen Fasching in Veitshöchheim von den Franken gefürchtete Altneihauser Feierwehrkapell`n mit ihrem Leiter Norbert Neugirg. Hinter diesem Ensemble aus Musikkapelle und dem Schafferhof, dessen Ursprünge bis in das 13.Jahrhundert zurückreichen und der von seinem Besitzerehepaar liebevoll restauriert worden war, ragte zwischen hohen Bäumen die Burgruine Neuhaus mit ihrem Rundturm, dem sogenannten Butterfaßturm in die Höhe, wahrlich ein malerischer Anblick, wie Hauptkommissar Lederer neidlos anerkennen musste.

Die Kapelle hatte mittlerweile ihr Ständchen beendet und die ganze Gesellschaft hatte sich ins Innere des Gebäudes zurückgezogen. Hauptkommissar Lederer folgte ihnen in einen großen Raum mit Kachelofen, wo man gerade dabei war, Platz zu nehmen.                   

„In diesem Raum haben wir heute leider geschlossene Gesellschaft, öffentlicher Zoigl wird nebenan ausgeschenkt, da finden sie sicher noch einen Platz.“                                           

Der Mann, der das gesagt hatte, sollte sich als Herr Fütterer, der Sprecher der Kommunbrauer und Besitzer des Schafferhofes herausstellen.                                  

„Es tut mir auch aufrichtig leid, sie stören zu müssen, aber ich hätte an sie alle noch ein paar Fragen zum Mordfall Frömmle.“

Franz Lederer hatte seinen Dienstausweis gezückt und zeigte ihn in die Runde. Da saßen sie nun, die Leute vom Schoilmichl, vom Gloser, Posterer, Bahler, Teicher, Fiedlschneider, die vom Schloßhof und der Wolframstub`n, der Kramer, der Wolfadl, der Schwoazhansl, der Loistl, der Binner, der Roude und wie all die wackeren Zoiglbrauerinnen und -brauer sonst noch so heißen, sogar aus Eslarn, Mitterteich und Waldsassen waren welche angereist.                              

„Oh, ich kann mir schon denken, worauf sie hinaus wollen, es geht um unsere Differenzen wegen des Außenverkaufs, aber gerade zwei Tage vor Herrn Frömmles Tod hatten wir uns mit ihm auf feste Obergrenzen geeinigt und das leidige Thema endlich vom Tisch bekommen, auch wenn seine Frau davon nicht recht begeistert war, aber da hat sich der Frömmle endlich einmal durchsetzen können.“

Eifrig nickend stimmten die übrigen Kommunbrauer ihrem Sprecher zu: „aitz wou ma uns endlich einich worn san, aitz is a doud.“

Damit hatte sich des Kommissars Spur in diese Richtung buchstäblich in Bierdunst aufgelöst, nachdem schon die Recherchen eines seiner Untergebenen, den er zu den Privatbrauern geschickt hatte, ergeben hatten, dass der Würth in Windischeschenbach, der Scheuerer in Moosbach und die Verantwortlichen der Schloßbrauereien Reuth und Friedenfels für den Tatzeitraum bombenfeste Alibis hatten. Da hatte er möglicherweise Gerti Zimmermann doch Unrecht getan, vielleicht war ihr Besuch bei den Frömmles wirklich nur privater Natur gewesen, wie sie ihm gegenüber ja auch beteuert hatte. Wie dem auch sei, das hatte er jedenfalls noch zu klären.

So oder so, jetzt hatte er sich einen Zoigl und eine zünftige Brotzeit redlich verdient und so begab er sich in einen weiteren Raum am Ende eines schmalen Ganges, aus dem summendes Stimmengewirr, unterbrochen von lautem Gelächter, nach draußen drang. Aus der drückenden Enge des überfüllten Raumes schlug ihm von Bierdunst und diversen Brotzeitgerüchen geschwängerte, etwas stickige Luft entgegen, eine junge Kellnerin im Dirndl mit ausladendem Busen und offenherzigem Dekolleté schlängelte sich mit Bierkrügen in beiden Händen durch die Tische, allenthalben war lautes Geschrei und Lachen zu hören. Die Menschen hier hatten offenbar eine Mordsgaudi. An einem der Holztische war noch ein Platz frei.

„Darf ich mich zu ihnen setzen?“


Inhaltsverzeichnis: